15.000 Besucher pro Tag, drei Bühnen mit eigenem Backstage, eine Pressezone, Ticketing am Eingang, Akkreditierung, Catering, Sanität, Production-Office. Alles auf einem Wiesengelände, das vier Tage vor der Show noch eine grüne Wiese war. Unsere Aufgabe: das gesamte Eventnetz so aufbauen, dass beim Showtag niemand merkt, dass es überhaupt existiert.
Briefing
Der Veranstalter kam etwa 4 Monate vor dem Festival auf uns zu. Die bisherige Lösung war über die Jahre gewachsen — ein paar Consumer-Router, ein zentraler Switch und „funktioniert ja seit drei Jahren". Im vierten Jahr ist die Besucherzahl um rund 30 % gewachsen, und die ursprüngliche Infrastruktur kam an ihre Grenzen: Crew-Tablets verloren das Netz, Ticketscanner brauchten zweistellige Sekunden, der Stream der Hauptbühne riss zweimal ab.
Die Anforderung in einem Satz: eine Infrastruktur, die unter Vollast nicht mehr nachgibt — und das mit einem klaren Budget-Rahmen, weil es ein mittelgroßes Festival ist, kein Hightech-Showcase.
Was wir konzipiert haben
Backbone: Glasfaser + redundanter Mobilfunk-Uplink
Vom Production-Office zur Hauptbühne, zur Bühne 2 und zur Pressezone haben wir Glasfaser-Strecken verlegt. Das Production-Office bekam einen Glasfaser-Anschluss vom örtlichen Provider plus zwei bondierte LTE-Modems auf zwei unterschiedlichen Carriern (Telekom + Vodafone). Der primäre Uplink lief über die Glasfaser, beide Mobilfunk-Modems als heißes Failover.
Das Ergebnis: Beim ersten Showtag fiel der Glasfaser-Uplink zwischen 16:42 und 16:48 aus — die Mobilfunk-Strecke übernahm in unter zwei Sekunden. Niemand auf dem Gelände hat etwas gemerkt.
Switching & VLAN-Konzept
Managed-Switches an jedem Standort, sauber konfiguriert mit getrennten VLANs für:
- Crew & Production-Office — eigene Domain, kein Zugriff auf Public
- Pressezone — eigenes Netz mit Bandbreiten-Quota pro Gerät
- Ticketing — komplett isoliert, nur Outbound zum Zahlungsdienstleister
- Akkreditierung & Bändchen-Druck — eigenes VLAN, abgesichert
- Public-WLAN — nur in der Hauptzone, mit Captive Portal, Client-Isolation
WLAN: viele AP, geringe Sendeleistung
Der Klassiker-Fehler ist „ein dicker Access-Point pro Bühne". Wir haben das genaue Gegenteil gemacht: 22 Access-Points über das Gelände verteilt, mit reduzierter Sendeleistung, sauber kanal-koordiniert im 5-GHz-Band. So wechseln Endgeräte automatisch zum nächstbesseren AP, statt sich an einem überlasteten festzuhalten.
Pro AP rechneten wir mit maximal 80 aktiven Clients. In der Spitze sahen wir 1.700 gleichzeitig verbundene Geräte allein im Public-WLAN am Samstagabend. Das System hat das ohne Murren weggesteckt.
Audio-Netzwerk Dante über das gleiche Glasfaser-Backbone
Zwischen FOH und Bühne lief Audio über Dante — mit eigenem VLAN auf dem Backbone, sauberer QoS-Priorisierung und einem Backup-MADI-Link für den absoluten Ernstfall. So sparten wir uns ein separates Multicore über 100 m und hatten gleichzeitig die volle Redundanz.
Während der Show
Auf einem Festival ist Monitoring der eigentliche Job. Wir hatten am Production-Office ein Dashboard, auf dem Auslastung der APs, Channel-Utilization, Uplink-Status und Multicast-Verhalten in Echtzeit sichtbar waren. Eine Person aus dem Team stand permanent davor, vier Tage lang im Schichtbetrieb.
Ein paar Vorfälle gab es trotzdem:
- Glasfaser-Uplink-Ausfall am Samstag (s. o.) — Failover funktionierte.
- Ein Access-Point an der Bühne 2 fiel am Sonntagmittag aus (defektes Netzteil). Tausch innerhalb von 12 Minuten, niemand merkte es.
- Ein Pressefotograf hat versucht, seinen eigenen Mobilfunk-Hotspot direkt neben einem unserer APs zu betreiben — nach freundlicher Bitte abgestellt.
Ergebnis
Vier Tage Showbetrieb, kein einziger spürbarer Ausfall im Bereich der Besucher, der Künstler oder der Production. Das Ticketing arbeitete durchgängig im Sub-Sekunden-Bereich, der Stream der Hauptbühne lief stabil ohne Reconnect, die Pressezone konnte ohne Murren Multi-Megabyte- Bildpakete hochladen.
Im nächsten Jahr macht ihr das wieder so — und ich rede nie wieder von WLAN. (Veranstalter, beim Abbau)
Was wir aus diesem Projekt mitgenommen haben
- Redundanz im Uplink ist Pflicht, nicht „nice to have". Der eine Vorfall hat sich gelohnt.
- AP-Dichte schlägt AP-Stärke. Verteilen statt verstärken.
- Trockenlauf vor dem Showtag — wir haben am Tag vor dem Festival das WLAN unter Last simuliert (Smartphone-Farm plus Lasttest). Probleme, die da rausfallen, fallen in der Show nicht mehr raus.
- Dokumentation aus Disziplin: jede VLAN-Zuteilung, jede AP-Position, jedes Kabel mit Endpunkt. Wenn um 03:00 jemand anruft, dass „irgendwas nicht geht", muss man wissen, wovon man redet.
Fazit
Festival-WLAN ist kein dickes Equipment, sondern saubere Planung, redundante Pfade und ein Monitoring, das in der Show jemand auch anschaut. Das Ergebnis ist unspektakulär: man merkt es eben nicht. Genau das ist der Erfolg.
Sie planen eine größere Veranstaltung mit hoher Netzlast? Sprechen Sie uns gerne früh an — je früher wir mitdenken, desto entspannter wird der Aufbau.